Nach dem Studium der Soziologie und der darauffolgenden beruflichen Tätigkeit als Sozial- und Berufspädagogin sowie als Frauenreferentin beim AMS, begann Mag. Barbara Prammer 1990 mit ihrer Wahl zur Landesfrauenvorsitzenden der SPÖ Oberösterreich eine überaus erfolgreiche politische Karriere, die sie über den oberösterreichischen Landtag und die Landesregierung schließlich 1997 als Frauenministerin ins Kabinett Klima führte.

Mit dem Wechsel der SPÖ in die Opposition wurde Mag. Prammer Nationalratsabgeordnete, stellvertretende Klubobfrau und wurde 2004 zur Vizepräsidentin des Nationalrates gewählt. Seit 30. Oktober 2006 ist sie als Nationalratspräsidentin die erste Frau an der Spitze des Parlaments und sprach sich in ihrer Antrittsrede für eine Stärkung der Minderheitenrechte im Nationalrat aus. Als SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende ist ihr natürlich auch eine erfolgreiche Frauenpolitik ein besonderes Anliegen.
Anlaß meines Besuches war das mittlerweile zum dritten mal stattfindende Jugendparlament am 27. und 28. Juni. Unter dem Motto "Rein ins Parlament" sollen die Jugendlichen mehr über die parlamentarische Arbeit in der Praxis erfahren, indem sie selbst die Rollen der Parlamentarier und Regierungsmitglieder übernehmen und das politische Kräftespiel im Rahmen der Bundesgesetzgebung sozusagen "live" miterleben.
Nach einer kurzen Begrüßung und einleitender Worte in der Säulenhalle des Parlaments werden die Jugendlichen in den Plenarsaal geführt, wo der Ablauf des Tages erklärt wird und man ein ungewohntes Bild vorfindet: Auf der Regierungsbank haben Abgeordnete, die Jugendsprecher der Parlamentsparteien, Platz genommen und Präsidentin Prammer steht am Rednerpult. Noch nehmen die aufgeregten Schüler in den Reihen der Abgeordnetenbänke Platz, doch bald darauf wird das Los aus ihnen selbst Abgeordnete der Regierungs- und Oppositionsparteien, Regierungsmitglieder und Präsidiale machen.

In sieben Gruppen unterteilt nimmt das Jugendparlament seine Arbeit auf, wobei ein durchaus aktueller Themenkomplex abgehandelt wird: der Klimaschutz.

Barbara Prammer übernimmt die Gruppe "Präsidium" und weiht die per Los zugeteilten Teilnehmer in die Spielregeln der Präsidentin, ihrer beiden Stellvertreter und der Schriftführer ein. Die Jugendlichen werden dann nachmittags - wie im richtigen Parlamentsleben - eine Debatte im Plenarsaal leiten. Dabei stößt die Thematik des Ordnungsrufes auf besonderes Interesse, wobei die Jugendlichen die Möglichkeit einer konkreten "Bestrafung" vermissen...
Unterstützt von politischen Coachs und den Jugendsprechern der fünf Parlamentsparteien, bildet eine zweite Gruppe die Regierung nach und die restlichen fünf Gruppen teilen sich in die Regierungs- und Oppositionsparteien.

Jede Gruppe erarbeitet Feststellungen, Ziele und Anträge für den Klimaschutz, wobei zwar einzelne Schwerpunkte in einer Info-Mappe vorgegeben sind, die persönlichen Meinungen der Jugendlichen jedoch ausdrücklich gefragt und willkommen sind. Unterstützt werden sie von den "echten" Parlamentariern hinsichtlich des Ablaufes - anhand tatsächlicher Erfahrungsberichte aus der politischen Praxis. Dabei erfahren die Teilnehmer, daß die parlamentarische Arbeit bei aller Ernsthaftigkeit auch witzige Situationen mit sich bringt.
Es bleibt freilich nicht bei einer trockenen und theoretischen Ideensammlung - die jugendlichen Kurzzeitparlamentarier entwerfen Reden, üben diese, holen sich von den Jugendsprechern Tips und zeigen, daß sie durchaus politisch interessiert sind und vor allem nicht nur eine eigene Meinung, sondern auch Antworten zu den brennenden Fragen des Umweltschutzes haben.

Und wie im echten Leben versuchen die Oppositionsparteien einen gemeinsamen Antrag zu erarbeiten, während sich die Regierungsparteien mit der Regierung treffen, um einen eigenen Antrag zu formulieren.

Nach einer Mittagspause beginnt - körperlich und mental gestärkt - die Debatte im Plenarsaal.
Auch das Jugendparlament hat eine Präsidentin an seine Spitze gewählt, die die Debatte eröffnet, regelkonform den "Abgeordneten" das Wort erteilt und bei Erreichen der Redezeit konsequent den Schluß der Rede einmahnt.
Viele der Jugendlichen überzeugen mit ihren Wortmeldungen - rhetorisch wie inhaltlich und so manchem der sich sonst still im Hintergrund gehaltenen Professoren schwillt vor Stolz die Brust.

Neben den Jugendsprechern finden sich auch eine Reihe anderer Abgeordneter ein, die den Ausführungen des Jugendparlaments lauschen und sich bei der einen oder anderen Rede wohl an eine stattgefundene Plenarsitzung erinnern oder sich gar ertappt fühlen, wie das fallweise Schmunzeln und Nicken in ihren Gesichtern vermuten läßt.

Die Debatte endet schließlich mit der Abstimmung der beiden ausgearbeiteten Anträge, wo - wenig verwunderlich - der Antrag der Opposition abgelehnt wird und jener der Regierungsparteien eine breite Zustimmung findet. Das, obwohl manche Abgeordnete des Jugendparlaments irrtümlicherweise beim falschen Antrag mit "Ja" stimmen. Inwieweit auch das der Realität des österreichischen Parlamentarismus entspricht, sei der Phantasie eines jeden überlassen...

Nach diesem Tag bleibt die Hoffnung, daß mit solchen Veranstaltungen das Interesse der Jugendlichen an politischer Arbeit geweckt bzw. erhalten wird. Auf jeden Fall bietet er Einblick in das Denken jener Generation, die die Politik von morgen und somit Zukunft von uns allen mitgestalten wird. Möglicherweise stand schon heute ein Abgeordneter der Zukunft am Rednerpult.