Herbert Steinböck

Vor einiger Zeit erzählte mir eine Bekannte, während sie auf die Rundungen meines Bauches schielte, sie hätte über das neue Soloprogramm von Herbert Steinböck gelesen, daß die Vorstellung nicht nur sehr unterhaltsam wäre, man würde sogar dabei abnehmen – allein schon wegen der Überbeanspruchung seiner Lachmuskeln. Eigentlich assoziiere ich mit dem Titel „Bananensplitter“ eher das kulinarische Vergnügen des Eisessens im letzten Sommer, als eine Methode des Abnehmens.

Als sich mir einige Zeit später die Möglichkeit bot, Herbert Steinböck vor und während einer Vorstellung seines Kabarettprogramms zu fotografieren, überlegte ich nicht lange und ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Gleich vorweg: Ich habe nichts abgenommen, statt dessen bin ich mit einer Botschaft nach Hause gegangen, die vielleicht mein Leben verändert. Aber der Reihe nach:

Als ich im Theater Längenfeldgasse eintreffe, finde ich schon einen hochaktiven Herbert Steinböck vor, der gerade damit beschäftigt ist, die Bühne „umzubauen“ – die Überbleibsel der letzten Vorstellung werden weggeräumt, Mikrofone in Stellung gebracht und die mitgebrachten Utensilien richtig positioniert. Über 50 Mal hat er seinen „Bananensplitter“ mittlerweile schon aufgeführt, verrät er mir, und für etwa 150 weitere Male ist er noch in Planung.

Schauspieler ist Mag. Herbert Steinböck quasi auf dem „zweiten Bildungsweg“ geworden – nach einem Deutsch-Geschichte Studium an der Uni Wien unterrichtete er 10 Jahre lang an verschiedenen Gymnasien und absolvierte nebenbei die Schauspielschule des Wiener Volkstheaters.

Nach diversen Engagements an heimischen und deutschen Theaterbühnen, gelang ihm 1993 den Sprung zum Kabarett – gemeinsam mit Gerold Rudle spielte er sich in mehreren Programmen zu einer fixen Größe der österreichischen Kabarettszene. „Steinböcks Bananensplitter“, erstmals im Kabarett Simpl (Februar 2006) aufgeführt, ist sein erstes Soloprogramm.

In der Garderobe geht Herbert Steinböck seine „Checkliste“ durch, damit nur ja keine Pointe im ersten Teil seines „Banensplitters“ an einer fehlenden Requisite scheitert. Zwischenzeitig ist auch sein Tontechniker eingetroffen, mit dem er kurz die Mikrofone abstimmt und die Bühnentechnik überprüft.

Es ist ein recht lockeres, freundschaftliches Verhältnis, das die beiden zu verbinden scheint – ein eingespieltes Team, das die Auftritte ebenso professionell wie humorvoll vorbereitet und durchführt. Die verbleibende Zeit vor dem Auftritt verbringen beide sichtlich entspannt und gelassen in der Garderobe. Lampenfieber scheint Herbert Steinböck nicht zu kennen, zumindest ist keinerlei Nervosität bei ihm festzustellen. „Etwas aufgeregt ist man natürlich vor jeder Vorstellung“, meint er, „und nach der Vorstellung brauch‘ ich oft schon ein, zwei Stunden, bis ich wieder herunterkomm’…“.

Ein gut durchmischtes Publikum jeden Alters strömt in den Saal, Herbert Steinböck zieht sich um, witzelt dabei, ob er sich für die Pause Pizza oder Sushi bestellen soll und stürmt, begleitet durch Polizeisirenen aus dem Lautsprecher, kurz darauf durch den Besuchereingang auf die Bühne.

Sein Programm beginnt ganz „harmlos“, er verwickelt das Publikum in Gespräche, witzelt über ein Liebespaar in der ersten Reihe und erkundigt sich über die Studienfortschritte einer „Bachelorine“, eine eben von ihm geschaffene Wortkreation, die die weibliche Form des Bachelors meint. Ganz wie in den Ankündigungen versprochen, geht es ums Abnehmen, er zeigt Übungen, erklärt dem Publikum, den Kalorienverbrauch beim Sex: angefangen vom Ausziehen, bis zum Überziehen des Kondoms – mitsamt seiner unterschiedlichen Variationen.

Doch plötzlich krümmt sich Herbert Steinböck vor Schmerzen auf der Bühne, er beginnt über die Ängste der Männer zu sprechen, über Impotenz, Erektionsspritzen, Urologen und den Tod. Nein, aus dem Kabarettprogramm wird keine Tragödie, ganz im Gegenteil, das Publikum erfährt in heiterer Weise mehr über „Männergesundheit“ und den Hintergrund des Titels „Bananensplitter“. Herbert Steinböck arbeitet in diesem Programm ein Stückchen Autobiographie auf – die Diagnose „Prostatakrebs“, mit der er 2003 konfrontiert wurde.

Mit grandiosen Sketches, gepaart mit sensationeller Mimik und viel Wortwitz,  führt er das Publikum durch wenig heitere Themen wie „Prostataentfernung“ und „Erektile Dysfunktion“ – obwohl schon auffällt, daß manchem Mann das Lachen im Hals stecken bleibt, während Frauen lauthals auflachen. Herbert Steinböck versteht es gekonnt, sein eigenes Psychodrama in erlesenes Kabarett zu verpacken.

In der Pause wartet auf Herbert Steinböck und seinen Tontechniker eine kleine Überraschung. Seine zuvor nicht ganz ernsthaft geäußerten Wünsche nach einem Pausensnack wurden erfüllt und frisches Sushi wird serviert.

Auch im zweiten Teil der Vorstellung schafft er den Spagat zwischen harmloser Slapstick, purem Nonsens und dem persönlichem Anliegen, den Mann ab 40 zur regelmäßigen Prostata-Vorsorge zu bewegen. Mittlerweile erinnert mich der Titel seines Programms nicht mehr an den berühmten Bananensplit, das Wort „Splitter“ zerstört ein wenig die Illusion, die Banane als „Zeichen der Männlichkeit“ zu betrachten – und das war wohl auch die Idee hinter dem Titel. Dennoch: So klar die Botschaft an den Mann auch ist, im Endeffekt bleibt ein absolut unterhaltsames Programm übrig. Einen Höhepunkt liefert nochmals seine Zugabe, in der er wegen eines „tschechischen Erbrechens“ für Chris Lohner einspringen muß und mit dutzenden, aberwitzigen Versprechern aus dem ÖBB-Lautsprecher das Publikum zu wahren Lachstürmen hinreißt.

So gehe ich also nach einem heiteren, unterhaltsamen Programm mit der eingangs erwähnten Botschaft nach Hause, daß eine urologische Untersuchung zwar nicht gerade zu den angenehmsten Dingen des Lebens zählt, aber weit Unangenehmeres verhindern kann und nehme mir fest vor, mich ab 40 regelmäßig untersuchen zu lassen. Aber auch die Gewißheit, in keiner Situation auf das Lachen vergessen zu dürfen, begleitet mich an diesem Abend.

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