Günter Tolar

Für eine ganze Generation ist Günter Tolar untrennbar mit der ORF-Quizshow „Made in Austria“ verbunden. Ihn allerdings auf die Rolle des Quizmasters zu minimieren, geht weit an seinen tatsächlichen Talenten und Betätigungsfeldern vorbei.

Jobs als Komparse und Bühnenarbeiter führten ihn ursprünglich zum Theater, bevor er 1961 eine Schauspielschule besuchte. Über das Kabarett „Der Würfel“ stieß er in weiterer Folge in den späten 60er Jahren zum Fernsehen, wo er ab 1973 als Moderator tätig war – legendär mit den Quizshows „Wer dreimal lügt“ (1973-1977) und „Made in Austria“ (1980-1992). Die redaktionelle Betreuung einer Vielzahl an ORF-Sendungen (z.B. Musikantenstadel) oder seine Tätigkeit als Drehbuchautor sind dem Publikum weitgehend unbekannt.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand Günter Tolar mit seinem Coming-Out 1991, als sein langjähriger Lebensgefährte starb und er zur Bewältigung dieser Lebenskrise den Weg an die Öffentlichkeit wählte.

Es war ein ungewisser Weg, den er damals einschlug. Gerade bei seiner älteren Fan-Gemeinde war zu befürchten, daß ihm Unverständnis, Schock und vielleicht sogar Verachtung entgegenschlagen könnten. Das Echo auf sein Coming-Out war allerdings überraschend positiv und wegbereitend für viele andere, ihr eigenes Coming-Out anzustreben. Günter Tolars Auftreten als „Schwuler“ in der Öffentlichkeit kann im Nachhinein fast als Meilenstein gewertet werden, Homosexuelle zu enttabuisieren und als in der Gesellschaft gleichwertig anzuerkennen. Darüber hinaus war er damals ein Pionier der AIDS-Aufklärung, mithilfe seiner Prominenz wurde AIDS mehr und mehr eine Krankheit, über die es zu informieren gilt, anstatt sie als „Schwulenseuche“ zu verteufeln.

Heute, 14 Jahre nach seiner Pensionierung, ist es etwas stiller um ihn geworden. Ich treffe ihn in seiner Dachterrassen-Wohnung, die einen traumhaften Ausblick über Wien bietet und wo er gerade sein Können als Hobbygärtner unter Beweis stellte.

Verbringt er also das vermutete Pensionisten-Dasein, pflegt seine Terrassenpflanzen und ruht sich auf seinen Erfolgen aus? Keineswegs! Freilich, es bleibt etwas mehr Zeit für Reisen, dennoch ist er immer noch aktiv engagiert und gefragt, wie sein gefüllter Terminkalender zeigt.

So ist er beispielsweise auch nach fast 30 Jahren gern gesehener Moderator des vom Verband Wiener Volksbildung veranstalteten Quiz für Menschen ab 55 „Wer weiß, gewinnt“.

Sein Büro hat sich einfach nur verlagert – vom ORF-Zentrum in seine Wohnung. Nachwievor ist er als Juror tätig und betreut Fernsehsendungen (Grand Prix der Volksmusik). Ein wenig Wehmut war schon dabei, als er nach seiner Pensionierung das gewohnte Arbeitsumfeld räumte, gesteht er. Vor allem wisse er erst jetzt, welch Engel seine Sekretärin im ORF war.

Zumindest die Arbeit am PC erforderte wenig Umstellung für ihn, beschäftigte er sich doch schon in seiner aktiven Zeit intensiv mit dem Computer – etwa in Form einer Homepage, die er Mitte der 90er Jahre initiierte und mit der er eine der ersten Beratungsseiten im deutschsprachigen Internet für AIDS-Kranke und HIV-Positive schuf.

Das allein klingt schon nach einem ziemlich ausgefüllten Tagesablauf, doch da gibt’s noch etwas: Günter Tolar ist auch Autor zahlreicher Bücher und arbeitet bereits an weiteren Romanen.

Kein Platz für Hobbys? Doch! Zum einen sind viele seiner Tätigkeiten natürlich gleichzeitig auch Hobby, zum anderen findet er Entspannung in der Musik.

Es wäre wohl nicht Günter Tolar, wenn er ganz laienhaft auf dem Klavier herumklimpern würde – da steckt schon etwas mehr dahinter, denn was wenige wissen: Er begann 1957 ein Studium Musik an der damaligen Musikakademie, das er später zwar abbrach, dennoch merkt man, Musik liegt ihm im Blut!

Seine große Liebe gehört aber dem Theater und immer wieder hört man den Wunsch heraus, er würde gerne wieder eine Rolle am Theater spielen. Nun ja, aus seiner Lebensgeschichte wissen wir, Günter Tolar ist immer für Überraschungen gut. Wer weiß, vielleicht geht dieser Wunsch noch in Erfüllung und wir sehen ihn doch noch einmal in einer Vorführung…

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