Brigitte Neumeister

Einem breiten Fernsehpublikum ist Prof. Brigitte Neumeister spätestens seit ihrer Rolle als Hausmeisterin Turecek im „Kaisermühlen Blues“ ein Begriff. Der Theaterbesucher weiß ihr komödiantisches Talent zu schätzen – seit den späten 60er Jahren avancierte sie in zahlreichen Produktionen am Theater in der Josefstadt zum Publikumsliebling und erarbeitete sich den von der Presse verliehenen Titel „Volksschauspielerin“. Den wahrscheinlich schönsten Titel, nämlich „beliebteste Schauspielerin“, verlieh ihr aber das Publikum selbst – mit einer ROMY, dem österreichischen Fernsehpreis.
Auch das klassische Repertoire beherrscht sie überzeugend und feierte unter anderem Erfolge als erste Frau in der Rolle des Mephisto in Goethes „Faust“ oder als Lucette in „Klotz am Bein“ von George Feydeau.
Und sollte es jemanden geben, der Brigitte Neumeister noch nie in einer Rolle hat bewundern können, der kennt sie möglicherweise als Autorin des autobiographisch geprägten „Rampenlicht Blues“, „Professionisten Blues“ oder ihres ersten, auf einer wahren Begebenheit beruhenden, Romans „Der Feueropal“.

Im „Wiener Lustspielhaus“ ist Brigitte Neumeister im Sommer 2006 schon zum dritten mal in einer Doppelrolle als Titania und Hippolyta Xavereckel in „Ein Wiener Sommernachtstraum“ zu sehen. Zu einer dieser Aufführungen lud mich Frau Neumeister ein, ihr Gatte und Manager ermöglichte es mir dankenswerterweise, auch während der Vorstellung zu fotografieren.

Die Hitze dieser Tage macht es nahezu unmöglich, in den aufgestellten Umkleide-Containern länger als wenige Minuten zu verweilen, also verbringt man die Zeit vor dem Auftritt am besten mit einem erfrischenden, kühlen Mineralwasser im Freien.

Dabei erfahre ich, daß die Premiere von „Ein Wiener Sommernachtstraum“ im  Sommer 2004 gleichzeitig die Eröffnung des „Wiener Lustspielhaus“ war und damals mit gemischten Gefühlen der Premiere entgegengefiebert wurde, weil vieles gegen einen Erfolg sprach.

Umso größer war die Freude, als sich das mobile Theater zur Überraschung vieler als das Erfolgsprojekt des Sommers 2004 entpuppte.

Der damalige Erfolg konnte beibehalten werden – auch an diesem Abend wartet eine lange Menschenschlange auf den Einlaß. Daß trotz Temperaturen von über 30 Grad die Menschenmassen ins Theater strömen, ist einerseits bemerkenswert und spricht andererseits für das Projekt und natürlich auch das Ensemble. Publikumslieblinge wie Brigitte Neumeister, Kurt Sobotka und Albert Rueprecht tragen wohl zusätzlich zum Erfolg bei. 

Im Stück selbst – der Titel verrät es – versetzt die Autorin, Susanne Wolf, William Shakespeares Komödie entsprechend bearbeitet in das Ottakring der k&k-Monarchie und den Wienerwald rund um Klosterneuburg.

Brigitte Neumeisters Doppelrolle verlangt einen mehrmaligen Kostüm- und Perückenwechsel. Als ob Kostüm und Bühnen-Scheinwerfer nicht schon genug Hitze erzeugen würden, haben sich die Umkleide-Container im prallen Sonnenschein den ganzen Tag über enorm aufgeheizt. Der Garderobe-Tisch wurde daher kurzerhand ins Freie zwischen die Container verlegt. Wo sich so manches „Sternchen“ vielleicht unstandesgemäß behandelt fühlen würde, zeigt uns hier ein echter Profi, wie man auch hinter den Kulissen gekonnt improvisiert, ohne die gute Laune zu verlieren.

Vielleicht macht das überhaupt einen Teil ihrer Beliebtheit aus – Brigitte Neumeister zeigt keinerlei Starallüren, wiewohl sie sich selbige aufgrund ihres dauerhaften Erfolges durchaus leisten könnte.

Daß die bekannten Publikumslieblinge mit schauspielerischer Leistung glänzen, erwartet sich der Zuseher eigentlich und wird damit – zumindest in diesem Stück – auch nicht enttäuscht.

Eine besondere Überraschung waren für mich aber Boris Eder und Katharina Straßer, die beiden Zauberwesen, die charmant, witzig und teilweise auch keck durch das Stück führen.

Zwei Namen, die man sich merken sollte, wie ich meine – und dem Schlußapplaus des Publikums folgend, stehe ich mit dieser Meinung nicht ganz alleine da…

Nach einem abermaligen Kostümwechsel nutzt Brigitte Neumeister die Pause für eine kurze Zwischenbesprechung mit Albert Rueprecht, wobei sie im Badekostüm in der nächsten Szene mit Kurt Sobotka nicht nur einen komödiantischen Höhepunkt liefern wird, sondern auch eine sicher angenehm luftige Erfrischung erlebt.

Nach gut zwei Stunden endet das Stück mit einem Happyend und ein begeistertes Publikum strömt aus dem Zelt in eine laue Sommernacht der Wiener Innenstadt, die für so manchen Zuschauer noch weitere angenehme Stunden bietet. 

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