Alois Mattersberger

„Das ist ja ein ganz ein Süßer“, war der euphorische Kommentar einer Bekannten, als ich ihr davon erzählte, bei Alois Mattersberger für Fotoaufnahmen eingeladen zu sein. Selbst Jahre nach seinem Abschied vom Fernsehbildschirm ist er nachwievor als Österreichs TV-Koch Nummer 1 ein Begriff und scheint nichts von seinen Sympathiewerten eingebüßt zu haben – ganz im Gegenteil.

Der gebürtige Osttiroler begann 1976 mit einer Kochlehre seine Berufslaufbahn und spätere Karriere, die ihn über verschiedene Top-Restaurants im In- und Ausland 1989 ins „Vinarium“ nach Donnerskirchen führte, wo er sich seine erste Gault-Millau-Haube erkochte. Gleich zwei Hauben von Gault Millau, einen Stern und drei Küchenhauben von „Österreich a la Carte“ belohnten sein Engagement im Wiener Restaurant „Villa Hans Moser“, an dessen Konzept und Umsetzung er ab 1990 maßgeblich beteiligt war.

Einer breiten Masse wurde er schließlich von 1999 bis 2003 als Fernsehkoch der ersten täglichen Kochshow Österreichs („Frisch gekocht ist halb gewonnen“) bekannt.

Daß sich Alois Mattersbergers Talent nicht einzig auf das Kochen beschränkt, zeigte sich in der Tatsache, daß er nicht nur als Koch und Moderator der Sendung zu ihrem Erfolg verhalf, sondern auch das Drehbuch mitgestaltete. Die meisten Moderatoren – auch noch so erfolgreicher Sendungen – geraten nach einigen Jahren Bildschirmabstinenz in Vergessenheit, nicht so Alois Mattersberger. Er ist als sympathischer Fernsehkoch mit dem tiroler Dialekt einer ganzen Fernsehgeneration ein bleibender Begriff.

Ich treffe Alois Mattersberger in seinem Atelier, wo er sich in den letzten Jahren verstärkt der Malerei widmet. Kein neu entdecktes Talent in ihm, nein, schon als 12jähriger belegte er bei einem bundesweiten Schulmalwettbewerb für Jugendkünstler den beachtlichen dritten Platz.

Seit 1995 entstanden und entstehen zahlreiche experimentierfreudige Bilder, mit denen er zwischenzeitlich schon etliche Ausstellungen füllte. So ganz ohne Bezug zum angestammten Beruf geht’s hier freilich auch nicht – so bezieht Alois Mattersberger in seine Bilder „die Farbenwelt aus dem Küchenregal“ mit ein.

In den Gewürzkästen finde ich eine unglaubliche Vielfalt an Farbpigmenten und spannender Textur, so entstehen Bilder von großer Lebendigkeit“, beschreibt er seine Werke mit Austern-Sojasauce, Safranfäden, Sesam, Gelbwurzpulver und vielen anderen „Zutaten“.

Daß dabei der Humor nicht zu kurz kommt, beweisen „experimentelle Phasen“ mit Schuhen, die einfach blau überpinselt werden ebenso, wie eine Wand im Atelier, auf der sich Freunde ungezwungen mit dem Kohlestift verewigen dürfen. Wie ich überhaupt während meines Besuches feststellen durfte, es mit einem überaus humorvollen Menschen zu tun zu haben, der natürlich und ungekünstelt wirkt.

Für ein kleines Kabarettprogramm würden wohl auch seine Anekdoten aus der „Frisch-gekocht“-Zeit reichen, wenn er von Begegnungen beim Einkaufen erzählt, wo Passanten ungeniert in seinem Einkaufswagen stöbern, um zu sehen, was der Meisterkoch denn privat so kocht. Oder Erlebnisse im Urlaub, wenn ein Urlaubsgast seinem Erstaunen Ausdruck verleiht, wie es Alois Mattersberger schaffen kann, nachmittags im Fernsehen zu kochen und abends schon am weit entfernten Urlaubsort zu sein. Von einer Dame auf der Kärntner Straße angesprochen: „Ich seh‘ Sie jeden Tag im Fernsehen…“, wenig charmant aber ihr Nachsatz: „…wenn ich auf ‚Reich und Schön‘ warte…!“

Erkannt wird er immer noch – damals wie heute nimmt er es gelassen, versteht es eigentlich als Kompliment und äußert gleichzeitig sein Unverständnis für „Promis“, die solche Kontakte nerven.

Mein Besuch endet mit einer weiteren Einladung – nämlich zur  Vernissage seiner nächsten Ausstellung in der Galerie am Schillerplatz, wo gleichzeitig der neue Roman („Hüte dich vor deinen Wünschen“) von Theres Zima präsentiert wird.

Zwei Monate später drängen die Besucher in die Galerie am Schillerplatz, um Alois Mattersbergers neueste Werke zu bestaunen und um Kostproben von Theres Zimas angekündigten Kriminalroman erstmals zu hören bzw. ein Buch samt Widmung zu erstehen. Das große Interesse der Gäste und deren Begeisterung lassen darauf schließen, daß es Alois Mattersberger ein weiteres mal gelungen ist, sich zum Publikumsliebling emporzuarbeiten – nur scheint er diesmal den Kochlöffel gegen den Malpinsel getauscht zu haben.

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