OMV – Raffinerie Schwechat

Der OMV-Konzern ist mit einem Nettoumsatz von etwa 10.000 Millionen Euro nicht nur das größte Unternehmen Österreichs, sondern gleichzeitig auch eines der bekanntesten und mit seinem Herzstück, der Raffinerie in Schwechat, mit ca. 800 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
In den Morgenstunden kennt man die Raffinerie auf der Fahrt vom oder zum Flughafen als rauchendes Ungetüm, das einen zwangsläufig an die Klimaschutz-Diskussion erinnert. Wer die gleiche Fahrt in den Abendstunden antritt, entdeckt einen optischen Blickfang, ein faszinierendes Gebilde aus imposant beleuchtendem Stahl, das eher an ein Kunstwerk erinnert.

Dieser gravierende Unterschied zwischen Morgen und Abend liegt nicht etwa darin begründet, daß die Raffinerie in den Morgenstunden unter Hochdruck Rohöl verarbeiten würde und abends die Produktion einstellt – die Rohölverarbeitung pausiert nie, die Raffinerie arbeitet rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Wer gegenüber einem OMV-Mitarbeiter von der „rauchenden“ Raffinerie spricht, dem fällt selbiger sogleich ins Wort und korrigiert auf „dampfende“ Raffinerie. Und tatsächlich, was wir als hohe Rauchsäulen wahrnehmen, ist Wasserdampf, der bei der Kühlung der Produktionsprozesse entsteht. Das ist auch der Grund, warum in den (kühlen) Morgenstunden soviel vermeintlicher „Rauch“ auftritt, während am Abend durch die tagsüber erwärmte Luft dieser Wasserdampf nicht mehr in so hohem Umfang entsteht.

Nun ist natürlich klar, daß bei einer jährlichen Erdölverarbeitung von fast 10 Millionen Tonnen nicht reinste Waldluft entsteht, sondern Verbrennungsgase, die Schwefeldioxid – ein farbloses, giftiges Gas – enthalten. In einer 63 Millionen Euro teuren Rauchgasentschwefelungsanlage werden diese Verbrennungsgase aber weitgehend von Schwefeldioxid (SO2) befreit und durch Veredelung ein Wertstoff für die chemische Industrie gewonnen. Das Einsetzen zahlreicher neuer, innovativer Technologien trägt zudem laufend zu einer Schadstoff-Reduktion von mehreren Millionen Tonnen bei.

Wie sich die OMV überhaupt eines verantwortungsvollen Umganges mit der Umwelt bewußt ist – allein schon aus wirtschaftlichen Interessen, denn ein Verstoßen gegen strenge (gesetzliche) Auflagen und Vorschriften käme nicht nur sehr teuer, sondern würde auch das Image des Großkonzerns nachhaltig schädigen, von zu erwartenden Folgekosten ganz abgesehen. Daher geht der Konzern auch ganz bewußt einen Schritt weiter und setzt – europaweit einmalig – eine ganze Reihe freiwilliger Maßnahmen zum Umweltschutz.

Auf einer Größe von etwa 200 Fußballfeldern, tausenden Kilometern Rohren und einem Fassungsvermögen von 2,5 Millionen Tonnen Rohöl produziert die Raffinerie in Schwechat etwa 70 Prozent der heimischen Mineralölprodukte. Die Produktionsschritte vom Rohöl zum fertigen Produkt umfassen im Groben die Destillation, Entschwefelung, Veredelung und Mischung, wobei die Diesel- und Ottokraftstoffe mit über 50 Prozent eine Hauptproduktionsgruppe darstellen.

Aber auch eine Vielzahl anderer und weniger bekannter Produkte verlassen die Raffinerie – neben Heizölen sei nur Wasserstoff, Bitumen und eine Palette an petrochemischen Produkten beispielhaft erwähnt.

Ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz ist die Tatsache, daß die Produkte nur zu einem Drittel auf der Straße ihren Weg aus der Raffinerie finden – ein weiteres Drittel wird per Pipeline zum Zielort transportiert, der Rest per Bahn und Schiff – vom Tanklager in der Wiener Lobau aus.

Das Tanklager ist überdies mit einer weltweit einmaligen Besonderheit – eingeschlossen von der Donau auf der einen und dem Nationalpark Donau-Auen auf der anderen Seite – ein Unikat für sich und zudem ein weiteres Indiz dafür, daß der Umweltschutz für die OMV keine leere Worthülse, sondern gelebte Praxis ist und daß Technik und Chemie nicht zwangsläufig im Widerspruch zur Natur stehen müssen.

Doch die OMV trägt auch dem Schutz ihrer Mitarbeiter Rechnung und sorgt in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsinspektorrat für eine strenge Einhaltung der Schutzbestimmungen und arbeitet an laufenden Verbesserungen im Sicherheitskonzept.

Maßnahmen, die sich nicht nur in der Statistik der AUVA niederschlagen, sondern letztlich auch der Sicherheit der gesamten Anlage dienen. Gab es 1990 noch 47 Arbeitsunfälle, machten sich mit nur noch zwei Arbeitsunfällen im Jahr 2006 die zahlreichen Bemühungen bemerkbar, wobei das Ziel freilich das dauerhafte Erreichen des schon im Jahr 2001 erreichten Optimalwertes ist – nämlich keinerlei Unfälle!

Interessant auch die wechselvolle Geschichte der Raffinerie: Schon im Februar 1938, nach nur zwei Jahren Bauzeit, von der damaligen NOVA Öl- und Brennstoffgesellschaft AG in Betrieb genommen, wurde sie gleich einen Monat später nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich in die „Deutsche Erdöl AG“ eingegliedert.

In den folgenden Jahren kam es zu beträchtlichen Ausbauten der Raffineriekapazitäten – zum Zwecke der militärischen Treibstoffversorgung. 1944 und 1945 war die Raffinerie heftiger Luftangriffe der Alliierten ausgesetzt, bis sie im April 1945 von sowjetischen Truppen besetzt wurde und im Oktober des selben Jahres der neu gegründeten Sowjetischen Mineralölverwaltung (SMV) unterstellt wurde.

1946 geht die Raffinerie schließlich in sowjetisches Eigentum über, was auch das von der österreichischen Bundesregierung als Reaktion darauf geschaffene Verstaatlichtengesetz nicht rückgängig machen konnte.

Erst nach Unterzeichnung des Staatsvertrages wurde die Raffinerie 1955 der Republik Österreich zurückgegeben – dennoch mußten bis 1963 noch insgesamt 7,7 Millionen Tonnen Rohöl als Reparationsleistungen an die Sowjetunion geliefert werden.

Mit den neuen Besitzverhältnissen wurde 1956 schließlich die ÖMV (Österreichische Mineralölverwaltung) gegründet, die zum größten österreichischen Industriekonzern anwuchs, während sich die Raffinerie nach einem Neubau von 1958 – 1961 und nachfolgenden bedeutenden Investitionen, zahlreichen Um- und Zubauten zu einer der größten Binnenraffinerien des europäischen Kontinents entwickelte.

Nach der mehrheitlichen Privatisierung und dem zunehmenden Auslandsengagement kam es 1995 zu einer pragmatischen Namensänderung – aus der ÖMV wurde die OMV, einfach, weil der Buchstabe „Ö“ in den meisten Sprachen nicht vorkommt.

2004 stieg der Konzern mit dem Erwerb von 51 Prozent des staatlichen rumänischen Ölkonzerns Petrom zum unbestrittenen Marktführer in Zentral- und Osteuropa auf. Heute ist die OMV ein „Global Player“ und ein Paradebeispiel einer österreichischen Erfolgsgeschichte.

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