Als "Mörtel" kennt ihn ganz Österreich, Baumeister Ing. Richard Lugner, seine Medienauftritte polarisieren und genau das verleiht ihm jenen Bekanntheitsgrad, um den ihn viele beneiden. Allein der Werbewert seiner Inszenierungen am Wiener Opernball mit seinen  geladenen Weltstars ist schwer in Zahlen zu fassen. Wie kaum ein anderer versteht er es, sich ins Zentrum der Seitenblicke-Gesellschaft zu rücken - und auch zu bleiben!

Mit der Reality-Soap "Die Lugners" auf ATV+ gibt er sich der Lächerlichkeit preis, meinen manche, andere wiederum wollen wissen, man erkenne darin den "echten" Lugner. Die Wahrheit dürfte ganz anders aussehen: Perfekte PR mit Bauernschläue. Seine Taktik geht dabei auf, wie der Erfolg der "Lugner City" im 15. Bezirk zeigt.
Am 27. September 1990 wurde das damals 7. größte Einkaufszentrum, die Lugner-City, von Dagmar Koller eröffnet. Kaum jemand glaubte damals an den Erfolg seines größten Projektes, selbst ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten verhieß nichts Gutes.
Binnen weniger Jahre führte Ing. Lugner sein Einkaufszentrum in eine äußerst erfolgreiche Zukunft. Innerhalb von 10 Jahren hat sich der Gesamtumsatz der Lugner-City versechsfacht.

Herr Lugner lädt mich ein, ihn gemeinsam mit seiner Tochter, Jacqueline, auf einen Rundgang durch "sein" Einkaufszentrum zu begleiten.

Jacqueline weiß die Gelegenheit zu nutzen, braucht sie doch unbedingt neue Turnschuhe. Da helfen auch die Überredungsversuche von Papa-Lugner nichts, der versucht, sie von dieser Idee abzubringen.

Also geht es auf ins nächste Sportgeschäft, wo schon die ersten Probleme auftauchen, schaut das Geschäft doch plötzlich ganz anders aus, als es Herr Lugner vom letzten Besuch her gewohnt war...
"In der Fußballabteilung", weiß der sofort herbeigeeilte Verkäufer und will die Lugners dort hin geleiten - da hat Herr Lugner auch schon die Eigeninitiative ergriffen und marschiert zielstrebig in die andere Richtung los, um sich bald die Frage zu stellen: "...und wo ist die 'Fußballabteilung'...?".

Wozu sich lange in einem Geschäft aufhalten, wo die Lugner-City doch noch andere Gelegenheiten bietet, die gewünschten Turnschuhe zu kaufen? Ab in das gleich ums Eck gelegene Schuhgeschäft, wo man zwar gleich fündig wird, aber nicht ganz Jacquelines Geschmack trifft.
Irgendwie ist damit bei beiden die Lust auf neue Schuhe verflogen, außerdem quält Herrn Lugner der Hunger und steuert auf eines der vielen Restaurants im Einkaufszentrum zu.

Bei einer zünftigen Weißwurst kommt er voller Stolz auf die Erfolge seiner Lugner-City zu sprechen. Einige hier ansässiger Filialen großer Handelsketten haben im österreichweiten Ranking sogar jene der Shopping-City-Süd überholt, was er natürlich auch seiner Werbestrategie zuschreibt. Freilich gäbe es auch Mieter, die weniger erfolgreich sind - von denen müsse man sich eben wieder trennen.
Einige seiner erzählten Anekdoten rund um die außergewöhnlichen Werbemaßnahmen lassen erahnen: Hier sitzt ein gewiefter Unternehmer, der es glänzend versteht, die österreichische Prominenz - vom Fernsehmoderator bis zum Bischof - für seine Zwecke einzusetzen. Oft mimt er dabei den "Wurschtel", erreicht dabei aber etwas, das sich die meisten anderen erst für viel Geld erkaufen müssen: Medienpräsenz, Aufmerksamkeit und dadurch Werbeerfolge. 
Auf der Terrasse eines weiteren Gastronomie-Betriebes bietet sich ein schöner Blick über den Gürtel, bis hin zum Kahlenberg. Immer wieder wandert Lugners Blick zur Anzeige der freien Parkplätze in der Tiefgarage. Knapp über 300 Plätze sind an diesem Samstag-Nachmittag noch frei. Aus Kundenbefragungen weiß er, daß etwa ein Drittel der Kunden mit dem Auto anreist und wertet die Tiefgaragenauslastung daher als Gradmesser für die Kundenfrequenz.

Doch nicht nur an Samstagen ist er mit Leib und Seele bei seiner Lugner-City. Obwohl er sich längst zur Ruhe setzen könnte, beginnt bei ihm jeder Tag um 8.00 Uhr und endet gegen 01.00 Uhr nachts.
Der Großteil dieser 17-Stunden-Arbeitstage gehört der Lugner-City. Er wird nicht müde, sich selbst um kleinste Details zu kümmern, telefoniert auch während unseres Rundganges immer wieder, erkundigt sich um Auslastung und Frequenz, erspäht und bemängelt falsch beschriftete Hinweisschilder, selbst auf dem Boden herumliegender Abfall wird von ihm eigenhändig entsorgt.
Beinahe hätte er sich verplaudert, Schlag 14.00 Uhr wartet noch eine Aufgabe auf ihn. Vor der Show-Bühne im Erdgeschoß wartet bereits Tony Wegas, er ist für zwei Auftritte engagiert und Herr Lugner hat ihn, verbunden mit Werbung in eigener Sache, anzukündigen.

Das Interesse der Besucher an Wegas' Gesangsdarbietungen hält sich allerdings sehr in Grenzen. Nur wenige haben sich vor der Show-Bühne versammelt und der Applaus ist etwas verhalten. Vielleicht kennt man ihn nach einer doch schon längeren Bühnenabsenz aber auch nicht mehr, was besonders für das jüngere Publikum zutreffen mag.
Zum Abschluß unseres Rundganges führt mich Herr Lugner noch in die neu errichtete Lugner-Kino-City. In 11 Sälen ist für 1.840 Kino-Besucher Platz, ein VIP-Bereich mit eigenem Aufgang und eigener Gastronomiezone sowie die Möglichkeit, sich für private Film- und Videovorführungen einen ganzen Saal zu mieten, machen aus dem Kino-Center etwas Einzigartiges in Wien.

Trotz seiner mittlerweile 75 Jahre ist Richard Lugner also immer noch hoch aktiv und mit Begeisterung am Werk. So ihm bis dahin nichts Neues einfällt, wird er spätestens zum nächsten Opernball wieder für Gesprächsstoff sorgen. Allerdings werden wir ihn auch in nächster Zeit noch sicher oft zu Gesicht bekommen - zumindest als Zaungast bei "Seitenblicke"...