| Was bewegt einen unter diesen Voraussetzungen und Mühen, überhaupt für das Europäische Parlament zu kandidieren? Der Verdienst - er ist ident mit jenem eines Nationalratsabgeordneten - ist zugegebenermaßen alles andere als schlecht, berücksichtigt man aber, daß einem praktisch keine Freizeit bleibt, relativiert sich das doch sehr schnell. Wenn man, wie er, darüber hinaus aus einem erfolgreichen Tourismusunternehmen stammt, ist die finanzielle Komponente wohl gänzlich zu vernachlässigen. Die "Macht" ist es, die negative Begleiterscheinungen eines Politikerlebens rasch vergessen macht, mag manch einer denken. |
| Knapp zwei Stunden später kämpfe ich mich durch die Anmelde- und Sicherheitsprozedur am Haupteingang des Parlaments. In Wolfgang Bulfons Büro im 15. Stock, hoch über den Dächern Brüssels, trifft zeitgleich eine von Landesrat Ing. Reinhart Rohr angeführte und von der Journalistin Mag. Gabi Russwurm-Biró begleitete Delegation der Kärntner Landesregierung ein. Ebenfalls mit der Kamera unterwegs, gesellt sich der Kärntner Societylöwe Egon Rutter (blitzlicht.at), hinzu. Somit sind wir komplett und nichts steht der Absolvierung eines dicht gedrängten Tagesprogramms mehr im Wege. |
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| Der Wille und die Begeisterung, an einem großen Europa mitzuwirken, verschiedene Betrachtungsweisen und Standpunkte der Mitgliedsstaaten kennenzulernen und dabei auch die Herausforderung anzunehmen, den oftmals schmalen Grat zwischen regionalen und gesamteuropäischen Interessen zu beschreiten. Anerkennung findet dieses Bemühen, wenn es gelingt, österreichische Interessen durchzusetzen und/oder andere Staaten für unsere Standpunkte zu begeistern. Bemerkenswerte Erfolge sind es überdies, wenn für die Konsumenten der Union wichtige und oft auch finanzielle Vorteile erreicht werden. Beides gelingt in seinen Fachbereichen, im Ausschuß für Regionale Entwicklung und im Ausschuß für Binnenmarkt und Verbraucherschutz immer wieder, findet in den heimischen Medien aber oft nicht den gewünschten Niederschlag, oder geht in der Berichterstattung völlig unter. |
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| Am Nachmittag findet eine Fraktionssitzung der Europäischen Sozialdemoraten statt, an dessen Vorbesprechung der österreichischen Abgeordneten auch der Vorsitzende der PSE-Fraktion, Martin Schulz, teilnimmt. Beim Verlassen des Sitzungssaales verschwinden sämtliche Abgeordnete in einem unglaublichen Tempo in alle Richtungen, sei es zur nächsten Sitzung, in einen Ausschuß, zu einem Termin mit Bürgern oder Interessensvertretern oder nutzt - wie Wolfgang Bulfon und Herbert Bösch - die Gelegenheit für ein kurzes Vier-Augen-Gespräch. Keine Spur der andernorts oft zitierten "österreichischen Gemütlichkeit", hier herrscht tatsächlich permanente Betriebsamkeit. |
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| Auf dem Weg zu einem abendlichen Kommissions-Termin, findet Wolfgang Bulfon noch kurz Zeit, uns in ein Brüsseler Kaffehaus einzuladen, danach muß ich mich verabschieden, um den letzten Flug nach Wien zu erreichen. Mein dritter Besuch im Europaparlament geht erneut mit dem Eindruck zu Ende, daß Fachkompetenz und Professionalität hier auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt sind, das ich mir bei so manchen Debatten im heimischen Nationalrat in ähnlicher Ausprägung wünschen würde. |









