Auch noch nach dem Zurücklegen dieser Funktion, verbindet ein Großteil der Bevölkerung mit Mag. Ewald Stadler nach wie vor den wortgewaltigen Volksanwalt, der für sein Engagement und seine Erfolge als Bürgeranwalt über Parteigrenzen hinweg Anerkennung fand.

Dabei mußte er sich anfänglich durchaus mit Vorwürfen auseinandersetzen, er würde dem Image der Volksanswaltschaft  schaden. Eine Kritik, die sich nicht lange aufrecht erhalten ließ, vertrat er die Anliegen der Hilfesuchenden doch unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit stets mit gewohntem Eifer und Hartnäckigkeit. Nicht nur einmal bekam er zu hören: "Ich mag Ihre Partei zwar nicht, aber ich danke Ihnen vielmals, daß Sie mir so engagiert geholfen haben!"

So verwundert es nicht, daß sich selbst heute noch Bürger mit vermuteten Mißständen in der Verwaltung an ihn wenden und wo er kann, hilft er auch als Nationalratsabgeordneter gerne weiter.
Es scheint, als hätte Mag. Stadler die Funktion des Volksanwaltes nachhaltig geprägt und einen hohen Maßstab des Erfolges für seine Nachfolger im Amt hinterlassen - ganz sicher nicht zum Schaden der Bevölkerung!
Die politische Karriere des gebürtigen Vorarlbergers und sechsfachen Familienvaters ist eine vielseitige, in nahezu jeder Funktion hinterließ er deutliche Spuren - freilich nicht immer im Einklang mit der Parteiführung, wie die jüngsten parteiinternen Differenzen zeigten, die letztlich zum Austritt Mag. Stadlers aus der FPÖ geführt haben und die sich im Streit über die Freiheitliche Parteiakademie fortführen.

Doch nicht nur die Berichterstattung über diese Querelen prägte seine mediale Präsenz in den letzten Wochen und Monaten - als Mitglied der beiden parlamentarischen Untersuchungsausschüsse (BAWAG- und Eurofighter-Untersuchungsausschuß) tritt er regelmäßig in Erscheinung und beweist einmal mehr, daß er es versteht, hartnäckig und manchmal durchaus kämpferisch die Interessen der Bürger zu vertreten.

Imposant wirkt der mit persönlichen Unterlagen zu den Ausschüssen gefüllte Tresor in seinem Parlaments-Büro - die Akten selbst füllen mit über 800.000 Seiten indessen ein riesiges Archiv. Die Ausschuß-Mitglieder und parlamentarischen Mitarbeiter graben sich förmlich durch unzählige Akten als Basis für Befragungen an den Ausschußtagen und  stets auf der Suche nach neuen Ungereimtheiten. Beeindruckend das Gedächtnis von Mag. Stadler, der beim Sichten neuer Unterlagen auf Namen stößt, die er längst abgelegten Unterlagen zuordnen kann und damit treffende Querverbindungen herstellt.

Noch beeindruckender erscheint diese Tatsache, wenn man weiß, daß seine Arbeit laufend durch Telefonate unterbrochen wird und zwischendurch immer wieder Termine mit rat- und hilfesuchenden Bürgern anstehen.

Oft mag man beim Anblick eines halb leeren Plenarsaales den Eindruck gewinnen, unsere Volksvertreter würden bei ihrer Arbeit den nötigen Eifer und Ernst vermissen lassen. Daß die tatsächliche parlamentarische Arbeit allerdings in kleinen und überhitzten Büroräumen fernab der Fernsehkameras und geregelter Arbeitszeiten stattfindet, ist aus den Live-Übertragungen natürlich nicht ersichtlich. Dabei kommen die Debatten im Plenarsaal selbst dann nicht zu kurz, da alle Reden direkt in die Büroräumlichkeiten übertragen werden - jeder Abgeordnete kann sie also jederzeit mitverfolgen.
Wann wird die Arbeit eines Abgeordneten aber tatsächlich als solche wahrgenommen? Natürlich nur dann, wenn er in direkten Kontakt zum Bürger tritt. Umfragen zeigen immer wieder, wie schlecht das Image eines Politikers ist - ganz anders, weil positiver, stellt sich die subjektive Meinung allerdings dar, wenn nach einem Mandatar gefragt wird, den man persönlich kennt oder dessen Hilfe man schon in Anspruch nehmen mußte. Für Meinungsforscher ein bekanntes Phänomen - für Politiker tägliche Überzeugungsarbeit, die mal gelingt, mal nicht...

Erfolg oder Mißerfolg definiert sich letztlich auch über das Talent des jeweiligen Mandatars, Bürgernähe überzeugend zu leben.
Ewald Stadler ist ganz sicher ein Politiker, der polarisiert und der für viele laufend Angriffspunkte liefert. Eines ist ihm bei aller Kritik dennoch anzurechnen: Er ist ein Mensch, der zu seiner Meinung steht, sich nicht im Wind der Meinungsumfragen dreht, seine Arbeit ernst nimmt, sich für Bürgeranliegen einsetzt und sich vor allem dem Bürger auch stellt. Mag. Stadler fällt auch dadurch auf, daß er außerhalb des Parlaments Passanten freundlich grüßt - das mag ein nebensächliches Detail sein, zeigt aber doch, daß Bürgernähe für ihn nicht nur ein leeres Schlagwort ist. Schließlich gibt es auch gegenteilige Beispiele von Volksvertretern, die zwar ebenfalls auf "Bürgernähe" pochen, dann aber äußerst distanziert und fast widerwillig der Bevölkerung begegnen.
Nach unzähligen Telefonaten, dem Studium neuer Unterlagen seiner Ausschuß-Arbeit, zweier Termine mit Bürgern und einiger Schwierigkeiten mit einer Bank wegen den Konten der freiheitlichen Akademie, nutzt Mag. Stadler die kurze Mittagspause in der parlamentseigenen Cafeteria für eine Besprechung mit seinem Mitarbeiter. "Mittagspause" ist eigentlich ein wenig übertrieben - er nimmt sich gerade einmal Zeit für einen Kaffee und ein Salzstangerl, bevor er zum nächsten Termin mit einem Bürger eilt. Er würde sich jetzt immerhin nicht mehr ganze Nächte im Parlament um die Ohren schlagen, wie er es früher getan habe, als seine Familie noch im fernen Vorarlberg lebte, antwortet Mag. Stadler auf meine Frage, ob solch spartanische Mittagspausen nicht ungesund wären.
Ein wenig resignativ klingt sein Nachsatz: "...und Dank bekommt man ohnehin keinen dafür!"
Der Nachmittag beginnt, wie der Vormittag geendet hat - wieder ein Gespräch mit einem Bürger, zurück ins Büro, wo die neuesten Nachrichten vom "Untersuchungsausschuß hinsichtlich der Beschaffung von Kampfflugzeugen", wie der Eurofighter-Untersuchungsausschuß offiziell heißt, schon auf ihn warten. Einmal mehr ärgert man sich über Akten, die nur geschwärzt übermittelt wurden und überlegt in Absprache mit den anderen Fraktionen die weitere Vorgehensweise.

Am Abend gibt es schließlich noch einen Termin außerhalb des Parlaments, wohin ich Mag. Stadler noch begleite, bevor für mich dieser Freitag zu Ende geht, während sein Arbeitstag noch einige Stunden andauern wird.
Es war durchaus interessant und spannend, Ewald Stadler einen Tag lang zu begleiten und Einblicke in die Arbeit eines Parlamentariers zu gewinnen, der den Eindruck vermittelt, auch nach so vielen Jahren der politischen Tätigkeit noch immer mit Freude und aus Überzeugung in der Republik mitgestalten zu wollen. Besonders sein offenherziger Umgang mit den Bürgern ist hervorzuheben. Man muß mit seiner Politik nicht immer einverstanden sein, um sich dennoch mehr Abgeordnete seines Schlages in sämtlichen Fraktionen zu wünschen...!