Im Zuge seiner "Startklar-Tour" legte Dr. Alfred Gusenbauer im September 2005 einen Zwischenstop in Tulln ein. Vom Entstehen dieser Homepage war ich damals noch weit entfernt, daher basiert diese "Reportage" einzig auf Erinnerungen.

Obwohl sein Aufenthalt im Bezirk Tulln einen ganzen Tag dauerte, stieß ich erst am späten Nachmittag mit meiner Kamera dazu - geplant war ein Besuch am Tullner Hauptbahnhof, um mit ankommenden Pendlern Gespräche zu führen. Aus diesen Gesprächen wurde zwar nichts, weil sich der ÖBB-Fahrplan nicht an Dr. Gusenbauers Termineinteilung hielt, ein paar überraschte Passanten traf er aber dennoch. In kurzen Gesprächen verstand er es, aufmerksam und interessiert zu wirken, stets versucht, einen sympathisch-witzigen Eindruck zu vermitteln. Dennoch war eine gewisse Anspannung zu merken, die manch einer als kühl-distanziert verstehen könnte.
Ganz anders der ebenfalls dazugestoßene Ex-Innenminister Karl Blecha, der den gekonnten Umgang mit der Bevölkerung sichtlich im kleinen Finger hat. Fast könnte man meinen, er genießt den Kontakt zu den Leuten. Auf jeden Fall freut es ihn, auch nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik noch immer erkannt zu werden.

Die Freude schien auch auf Seite der Passanten zu sein, "so is' er, UNSER Charly Blecha", meinte eine Dame und zeigte wenig Scheu, sich für ein Foto an seine Brust zu lehnen.

Irgendwie wurde man den Eindruck nicht los, Blecha würde Gusenbauer die Show stehlen, aber zumindest das jüngere Publikum nahm von Blecha wenig Notiz und bestaunte Dr. Gusenbauer.
Zeit für eine Verschnaufpause, mag man sich gedacht haben und so fand sich die Riege um Dr. Gusenbauer wenig später in einer Konditorei am Tullner Hauptplatz ein.
Nach einem kleinen Imbiß und erfrischend kalten Getränken ließ sich Dr. Gusenbauer kurz entschlossen zu einem 10-Meter-Sprint mit einem Fahrrad hinreißen.

Ein nicht alltägliches Schauspiel, wie aus den Gesichtern der Passanten abzulesen war - während die einen erheitert die Darbietung verfolgten, war anderen das Erstaunen ins Gesicht geschrieben. Zeigt sich da ein oftmals trocken erscheinender Parteivorsitzender doch durchaus spontan. Ob da die anwesenden Fotografen der Regionalpresse die Spontanität beflügelten?

Weiter ging's dann doch mit der schwarzen BMW-Limousine - und zwar zur Arbeiterkammer, wo die Jahreshauptversammlung der SP-Bezirksorganisation stattfand.

Bei Einbruch der Dunkelheit traf man sich dann schließlich auf dem Oktoberfest, wo ein wohlverdientes Essen wartete.

Freilich durfte sich Dr. Gusenbauer nicht gleich dem erfreulichen Teil zuwenden, sondern hatte zuvor jede Menge Hände zu schütteln und recht erfreut über das Treffen vermeintlicher Bekannter zu wirken...
Vergleicht man seine Begegnungen mit der Bevölkerung allerdings mit jenen nur wenige Stunden zuvor am Tullner Hauptbahnhof, schien er doch schon weit entspannter und "bevölkerungsnäher" zu sein, was die Gäste auch sichtbar positiv würdigten.

So hatte der (unbeteiligte) Beobachter durchaus den Eindruck von herzlichen Gesprächen, obwohl jemand, der den Tagesplan von Dr. Gusenbauer an diesem lauen Septembertag kannte, nachvollziehen konnte, wie groß der Wunsch nach etwas Ruhe und Erholung sein mußte.

Bevor diese verdiente Erholung (und auch die wohl nur schlafend am Rücksitz seiner Limousine) stattfinden durfte, galt es allerdings noch etwas am Oktoberfest zu verweilen.
Immerhin gab es jetzt doch eine kleine Verschnaufpause und Dr. Gusenbauer konnte Bier und Brathuhn genießen - wenngleich auch nur kurz, denn noch während des Essens drang der Ruf zu ihm, doch noch die Küche zu besuchen. Der aufmerksame Beobachter konnte dabei ein kräftiges "Augenverdrehen" beobachten, doch wer könnte es ihm verdenken...?

Während des Rundganges durch die Küche zeigte er sich dann freilich doch als Profi und ließ sich seine Erschöpfung nicht anmerken. Nochmals recht freundlich ein paar Hände geschüttelt, "durfte" er sich im Anschluß mit einem letzten Abschiedstrunk verabschieden und einen weiteren anstrengenden Tag hinter sich lassen.